Wertstoffe statt Abfall und Müll

Bianca Winkelmann MdL und Landrätin Anna Katharina Bölling informieren sich über Smart Recycling Factory

10.08.2021, 12:23 Uhr | Bianca Winkelmann

Die Begriffe „Müll“ und „Abfall“ kommen im Vokabular von Henning Schreiber nur noch sehr selten vor. „Stattdessen sprechen wir heute eher von Wertstoffen“, sagte der Geschäftsführer der KreisAbfallVerwertungsgesellschaft Minden-Lübbecke (KAVG) bei einem Ortstermin der heimischen Landtagsabgeordneten Bianca Winkelmann (CDU) auf der Pohlschen Heide.

Und Schreiber verdeutlichte damit zugleich, was auf der Deponie in Hille in den kommenden Jahren an Veränderungen geplant ist: Unter dem neuen und patentierten Namen „Smart Recycling Factory – Pohlsche Heide“ soll sich die Deponie künftig in einen Innovationsstandort für Kreislaufwirtschaft und regionale Wertschöpfung weiterentwickeln.

Dynamischer Umschlagplatz

Bianca Winkelmann, Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, hat sich davon gemeinsam mit Landrätin Anna Katharina Bölling einen Einblick verschafft und das Gespräch mit den Verantwortlichen rund um Dezernent Lutz Freiberg gesucht. Recycling und Kreislaufwirtschaft seien in aller Munde, sagte Lutz Freiberg. „Wir wollen mit der Smart Recycling Factory zum Vorreiter in Sachen zirkulärer Wirtschaft werden und so den Standort in Hille dauerhaft sichern“, so der Dezernent für Umwelt und Bauen. „Dort, wo früher lediglich Abfälle unterschiedlicher Herkunft und Art behandelt und zu großen Teilen dauerhaft deponiert wurden, wollen wir einen dynamischen Umschlagplatz für wiederverwertbare Rohstoffe und Entwicklungsort für innovative Recycling-Produkte schaffen.“

Bianca Winkelmann begrüßt das Vorgehen als „echtes Leuchtturmprojekt“ und betonte, dass die Idee genau zum richtigen Zeitpunkt komme: „Als Landesgesetzgeber stecken wir gerade mitten in der Novelle des Landesabfallgesetzes. Das Kabinett hat zuletzt über den ersten Entwurf diskutiert. Wir wollen das Landesabfallgesetz zu einem echten Kreislaufwirtschaftsgesetz reformieren. Es geht schlichtweg darum, unsere begrenzten Ressourcen von Kunststoff über Metall bis hin zu den seltenen Erden so sinnvoll wie möglich einzusetzen“, so die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. „Ganz ohne Deponien werden wir vorerst nicht auskommen. Aber unser Ziel ist klar: Vermeintliche Abfälle sollen direkt in den Stoffkreislauf zurückkehren, statt als Reststoffe deponiert zu werden.“

Modernste Technik

Lutz Freiberg spricht deshalb auch gerne von einem „großen Warenlager der Zukunft“, wenn es um die Pohlsche Heide geht. 130 Mitarbeiter arbeiten derzeit auf dem 27 Hektar großen Areal. „Schon heute zeichnet sich der Mühlenkreis durch eine deutschlandweit einzigartige Bündelung hochmoderner Abfall- und Recyclingtechnik aus. Insbesondere die Pohlsche Heide verfügt über eine große Anzahl modernster technologischer Anlagen zur Sortierung und Aufbereitung“, so KAVG-Geschäftsführer Henning Schreiber. „Insofern ist die Smart Recycling Factory eine konsequente Fortsetzung unserer bisherigen Arbeit.“

Ressourcen schützen

„Kommunal hat Zukunft“, findet Landrätin Anna Katharina Bölling und setzt gleichzeitig auf eine starke Einbindung von Wirtschaft und Wissenschaft. Sie sieht die kreiseigene KAVG mit dem Projekt auf einem guten Weg. „Hier entsteht ein wirkliches Zukunftsprojekt. Unser Ziel ist dabei neben dem Schutz von Ressourcen natürlich auch, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern möglichst niedrige Müll-Gebühren ermöglichen.“

Sarah Golcher ist die zuständige Projektleiterin für die Smart Recycling Factory und erklärte, dass es bei dem Projekt insgesamt um deutlich mehr gehe: „Wir wollen mit dem Projekt auch schon die junge Generation für die Umweltthemen sensibilisieren. Zu diesem Zweck ermöglichen wir am Standort ganzheitliches Lernen und bauen beispielsweise ein mobiles Klassenzimmer und Labor für Schulklassen.